Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass im Jahr 2020 zwei Drittel der weltweiten Krankheiten chronische Leiden sein werden, die zu einem grossen Teil in Zusammenhang mit einer schlechten Ernährungsweise und sitzender Tätigkeit stehen. Auch die Schweiz ist von dieser höchst beunruhigenden Entwicklung betroffen.
Adipositas (schweres Übergewicht) ist eine Erkrankung, die weltweit bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen deutlich zunimmt. Die Ursachen für dieses oft suchtartige Verhalten sind vielgestaltig. Ungünstige Ernährungsgewohnheiten und Mangel an körperlicher Bewegung sind ebenso von Bedeutung wie erbliche Faktoren. Auch das seelische Befinden eines Jugendlichen und seine Einbindung in Familie, Schule und Freundeskreis spielen eine grosse Rolle. Die klinische Erfahrung zeigt, dass mangelnde persönliche Zuwendung, Trennungserlebnisse, Gewalterfahrungen und auch Grenzüberschreitungen dazu führen können, dass die Betroffenen das Gefühl für die eigenen – auch körperlichen – Grenzen verlieren und dadurch die Entwicklung einer Adipositas mitbegünstigt wird. In der Regel kann die Adipositas bei einem betroffenen Individuum nicht auf eine einzelne Ursache zurückgeführt werden. Adipositas gefährdet aus mehreren Gründen die altersübliche Entwicklung. Die betroffenen Jugendlichen geraten oft hinsichtlich ihres Essverhaltens und der Gewichtsproblematik in einen Teufelskreis von aufrechterhaltenden und selbstverstärkenden Faktoren, aus dem sie sich aus eigener Kraft kaum mehr befreien können. Oft gelingt es Jugendlichen und jungen Erwachsenen wegen ihrem Übergewicht nicht, einen ihren Fähigkeiten und Eignungen entsprechenden Beruf zu erlernen. Dies bedeutet für den Betroffenen lebenslange Folgen und verursacht für die Allgemeinheit hohe Folgekosten. Die in unserer Gesellschaft weit verbreitete Vorstellung, dass nur schlanke Personen im Leben erfolgreich, dynamisch und leistungsorientiert sind, hat zur Folge, dass stark übergewichtige Jugendliche auch in sozialer Hinsicht durch Vorurteile zusätzlich benachteiligt sind. Adipöse Jugendliche werden von Gleichaltrigen oft massiv gehänselt und ausgegrenzt, worauf die Betroffenen sich verunsichert und verletzt zurückziehen. Andere reagieren mit Depression und erhöhter Aggressions-bereitschaft. Durch diese Reaktionen des Jugendlichen wird häufig die soziale Isolation zusätzlich verstärkt. Die gesundheitlichen Folgeschäden der Adipositas, wie beispielsweise Diabetes mellitus, Hyperurikämie, Bluthochdruck, obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom, eingeschränkte körperliche Belastbarkeit, Haltungsschäden und vorzeitige degenerative Gelenkveränderungen bilden zusammen mit den psychischen Folgeschäden den eigentlichen «Krankheitswert» der Adipositas und belasten die Entwicklung des jungen Menschen, seine Lebensqualität und Lebenserwartung.
Das Trainingsprogramm für übergewichtige Jugendliche startete am 7. Januar 2008 mit zwei Teilnehmern. Seitdem haben über 40 übergewichtige Jugendliche aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz das Programm erfolgreich beendet oder sind noch dabei.


